Ngorongoro Krater und Schutzgebiet: Größte Raubtierdichte Afrikas und die Wiege der Menschheit vereint

Fakten:

  • Gründung 1959 (seit 1951 Teil von Serengeti Nationalpark)
  • UNESCO Welterbe seit 1979
  • Einziges Naturschutzgebiet in Tansania, in dem wilde Tiere und Menschen zusammen in Einklang leben
  • Beherbergt den berühmten Ngorongoro Krater, die größte intakte Vulkan Caldera weltweit
  • Im Ngorongoro Schutzgebiet gibt es eine kleine Anzahl ausgewählter Unterkünfte und im nahe gelegenen Karatu gibt es ein umfangreiches Angebot an Hotels und Lodges
  • Wird aufgrund der Funde von Spuren der Homo habilis und Hominidae in der Olduvai Schlucht auch als Wiege der Menschheit bezeichnet
  • Größe Ngorongoro Schutzgebiet knapp 8.300 km2 = etwa halb so groß wie Thüringen
  • Größe Ngorongoro Krater 260 km2 = weniger als die Hälfte von Köln

Beste Reisezeit:

  • Das Ngorongoro Schutzgebiet und der gleichnamige Krater können ganzjährig besucht werden
  • Aufgrund der Höhenlage von bis zu über 2.400 Metern kann es in den immergrünen Wäldern von Ngorongoro immer mal schauern
  • In der Regenzeit von März bis Mai und im November können die Straßen etwas rutschig sein, dafür findet man den Krater bis etwa Juli in sattem Grün vor
  • Von Januar bis April ist die beste Zeit um Gnu- und Zebranachwuchs zu bestaunen

Anreise von Arusha: 

  • 120 km = zweieinhalb Stunden mit dem Safariauto

Höhepunkte: 

  • Massai Kühe neben Gnus und Zebras weiden sehen
  • Die berauschende Fahrt hinab in den einmaligen Ngorongoro Krater erleben
  • Ein Rudel Löwen auf ihrer Patrouille durch den Krater beobachten
  • Eines der weniger Spitzmaulnashörner Tansanias bestaunen

Seit 1951 Teil des Serengeti Nationalparks wurde das Ngorongoro Schutzgebiet in 1959 als unabhängiges Naturschutzreservat gegründet. Ngorongoro ist aus mehreren Gründen einmalig:

  1. Es beherbergt den gleichnamigen Ngorongoro Krater, den weltgrößten intakten eingestürzten Vulkan, auch Caldera genannt.
  2. Ngorongoro ist das einzige Gebiet in Tansania, in dem wilde Tiere geschützt werden und gleichzeitig die Besiedelung von Menschen erlaubt ist. So leben eine begrenzte Anzahl Maasai Hirten mit ihren Viehherden im Schutzgebiet.
  3. In der im Ngorongoro Schutzgebiet gelegenen Olduvai Schlucht wurden Funde der frühesten menschlichen Spezies Homo habilis, Homo erectus und Homo sapiens gemacht, weshalb sie auch als Wiege der Menschheit angesehen wird.
  4. Der Ngorongoro Krater ist neben der Serengeti das einzige Gebiet im Norden Tansanias, in dem man noch Spitzmaulnashörner bestaunen kann.

1979 wurde das Ngorongoro Schutzgebiet deshalb zum UNESCO Welterbe ernannt.

Das gesamte Gebiet hat eine Fläche von etwa 8.300 Quadratkilometern, wobei nur circa 3,2 Prozent davon auf den Ngorongoro Krater entfallen. Bei der Fahrt durch das Gebiet bietet sich euch die außergewöhnliche Gelegenheit Zebras oder Gnus neben Maasai Kühen und Ziegen grasen zu sehen. Die Viehhirten leben in Ngorongoro in Einklang mit den wilden Tieren und ziehen mit ihren Viehherden auf der Suche nach Wasser und Futter genau wie die wilden Tiere umher. Das Ngorongoro Schutzgebiet ist Teil des Serengeti Ökosystems und grenzt im Nordwesten direkt an den südlichen Teil des Serengeti Nationalparks an. Unterjährig findet man deshalb auch Teile der riesigen Gnu-, Zebra- und Gazellenherden, die ständig im Ökosystem umherziehen und auch „Great Migration“ genannt werden, im Ngorongoro Krater vor. Aufgrund der ausreichenden Wasser- und Futtervorkommen haben sich natürlich auch zahlreiche Graser dauerhaft im Krater niedergelassen. Sie bieten wiederum eine sichere Futterquelle für Raubtiere, weshalb der Ngorongoro Krater die größte Raubtierdichte in ganz Afrika aufweist. Dazu gehören vor allem Löwen, Schakale und Hyänen, aber auch Geparden und Leoparden leben in Ngorongoro, wobei letztere eher selten gesichtet werden. Aber damit nicht genug – im Krater findet man zudem diverse Vogelarten, darunter Strauße, Bussarde, Kraniche, Adler, Sekretäre und Flamingos. Um die Big Five voll zu machen fehlen noch Elefanten, Büffel und – genau, Nashörner. Die großen Dickhäuter und die stämmigen Verwandten, der uns bekannten Rinder gibt es in ausreichend großer Zahl, man bekommt sie also relativ sicher zu Gesicht. Spitzmaulnashörner gibt es grundsätzlich weltweit nur noch sehr, sehr wenige. Sie wurden innerhalb weniger Jahrzehnte konsequenter Wilderei fast ausgerottet. Im Norden Tansanias findet man sie heute nur noch im Serengeti Nationalpark und eben im Ngorongoro Krater. Der genaue Bestand wird nicht veröffentlicht, man kann von maximal 50 Exemplaren ausgehen. Dementsprechend einmalig ist es ein solches Spitzmaulnashorn zu Gesicht zu bekommen. Die stolzen Hornträger, welche ihnen bis heute immer wieder zum Verhängnis werden, mögen es heiß und sie verstecken sich demnach bei Wind und kühlem Wetter gerne im Wald. Die besten Chancen ein Nashorn zu entdecken habt ihr also wenn die Sonne scheint. Auch dann gehört noch ein bisschen Glück dazu, aber die Chancen zumindest eins durch das Fernglas zu bestaunen, stehen gut.

Der Ngorongoro Krater entstand vor zwei bis drei Millionen Jahren bei der Explosion eines Vulkans, der schätzungsweise fast so hoch wie der Kilimandscharo war. Die gewaltige Detonation hinterließ die über 600 Meter tiefe und 260 Quadratkilometer große Caldera. Schon allein der Anblick in den Kater vom Aussichtspunkt, einer der luxuriösen Lodges, dem Zeltplatz oder bei einer Wanderung entlang am Kraterrand ist atemberaubend. Ganz zu schweigen von der Fahrt die steile Straße hinab bis auf den Boden der Caldera. Neben Ngorongoro gibt es zwei weitere Einsturzkrater mit Namen Empakaai und Olmoti, beide deutlich kleiner und mit Wasser gefüllt. An dem größeren Empakaai Krater mit grünen, satten Kraterhängen können die Aktiven und Individualtouristen unter euch, eine idyllische und ruhige mehrtägige Wanderung bis zum Natronsee starten. Das Ngorongoro Hochland liegt auf bis zu 2.400 Metern über dem Meeresspiegel, ein Pullover und lange Hosen für die Morgen- und Abendstunden sind also auf jeden Fall empfehlenswert. Aufgrund entsprechender Niederschläge sind die Hänge des Ngorongoro Schutzgebietes stellenweise mit dichtem Wald bewachsen. Anderenorts wechseln sie sich mit Grasebenen ab und auch der Kraterboden besteht zum Großteil aus kurzem Gras mit einem Akazienwald, einzelnen Büschen und einem See, der je nach Jahreszeit mit mehr oder weniger Wasser gefüllt ist.

Ein weiterer Grund Ngorongoro zu besuchen ist die Olduvai Schlucht. Im 20. Jahrhundert wurden hier zunächst Funde unterschiedlicher Tierfossilien gemacht. Das Ehepaar Mary und Louis Leakey machte später bahnbrechende Entdeckungen von primitiven Steinwerkzeugen bis hin zu diversen Funden von Überresten der ersten Vorfahren des Menschen aus verschiedenen Epochen. Sie fanden den Schädel eines circa 1,75 Millionen Jahre alten Paranthropus boisei, Fußknochen, Unterkiefer und Schädel verschiedener Homo habilis etwa gleichen Alters und die Schädeldecke eines um die 1,4 Millionen Jahre alten Homo erectus. Die Funde wurden in verschiedenen Schichten der Olduvai Schlucht gemacht, die auch Betten genannt werden. Den Leakeys gelang es diverse Unterschiede, zum Beispiel in der Größe der Backenzähne und der Hirnschale aufzuweisen. Daraus lässt sich die Entwicklung der frühesten Homo Spezies ableiten. Auch die Funde der bereits erwähnten Werkzeuge, welche auch Oldowan genannt werden, lassen eine Evolution von primitiven, einseitig bearbeiteten, so genannten Choppers zu späteren Faustkeilen mit runder Basis und einer Spitze auf der gegenüberliegenden Seite erkennen. Aufgrund dieser äußerst bedeutsamen Funde gilt die Olduvai Schlucht, gemeinsam mit einigen wenigen anderen Orten in Afrika als „Wiege der Menschheit“. Bei einem Besuch des Ngorongoro Schutzgebietes hast du die Möglichkeit die Schlucht und das anliegende kleine Museum zu besuchen. Hier erhältst du Informationen über Olduvai und die Ausgrabungen. Seit 2019 gibt es auch ein großes Modell der wichtigen Funde zweier Schädel von Paranthropus boisei und Homo habilis.